Sprachlehre

In dieser Rubrik finden Sie interessante Beiträge zur Sprachlehre. Die Jüdische Onomastik und ein Hebräisches sowie ein Jiddisches Propädeutikum bieten einen Überblick über die sprachlichen Wurzeln des Judentums.



Jiddische Sprache


Einführung in die Geschichte und Grammatik der jiddischen Sprache

von Katrin Kühne

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„Das Jiddische hat noch längst nicht sein letztes Wort gesprochen; es enthält Schätze, die der Welt erst noch vor Augen geführt werden müssen. Es war die Sprache der Märtyrer und Heiligen, der Träumer und Kabbalisten – reich an Lebenskraft, Humor und an Erinnerungen, die die Menschheit nie vergessen wird. Das Jiddische ist im übertragenen Sinn die weise und demütige Sprache unser aller, die Sprache der entsetzten und hoffnungsvollen Menschen.“

Mit diesen Worten beschrieb Isaac Bashevis Singer in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahr 1978 die Liebe zu seiner gefährdeten Sprache. Heute wird das Jiddische von der UNESCO als „in Deutschland vom Aussterben bedroht“ eingestuft.3 Der ständige Kampf zwischen Leben und Tod, Abgrenzung und Assimilation, Hoffnung und Resignation zieht sich als charakteristisches Merkmal durch die gesamte Geschichte dieser Sprache. Sie bereicherte die Sprachen Europas, Russlands und Amerikas, mit denen sie in Kontakt trat, und nahm im Austausch zahlreiche Elemente aus diesen in sich auf.
Anfänglich als eine Sprache der Gasse verachtet, vorwiegend von Frauen und Gesindel gesprochen, avancierte das Jiddische im Laufe seiner Geschichte zum länderübergreifenden Identitätsfaktor für viele europäische Juden und beeinflusste schließlich auch in hohem Maße die jüdische Literatur. In den Zeiten ständiger Verfolgung und Vertreibung konservierte es die heimatlichen Gefühle seiner Sprecher und bot ihnen ein Refugium. Die jiddische mame-loschn, die „Muttersprache“, ist wohl so eng wie kaum eine andere Sprache mit der Geschichte, Kultur und dem Schicksal ihrer „Kinder“ verknüpft. Sie teilt mit ihnen auch den unbeugsamen Überlebenswillen: Ja, „das Jiddische hat noch längst nicht sein letztes Wort gesprochen.“
Dieser Beitrag möchte dazu anregen, sich weiter in die vielschichtige jiddische Geschichte und Kultur zu vertiefen und dabei mitzuhelfen, dass uns das Jiddische auch in der Zukunft erhalten bleibt. Denn was wäre es für ein schlimasl, ein Unglück, nicht mehr tachles, Klartext, reden zu können oder mit chuzpe, Frechheit, seinen persönlichen rewech, Reibach, zu machen. Eine traurige Vorstellung …

 Einführung in die jiddische Sprache und Grammatik kann hier heruntergeladen werden.

 

Hebräisches Propädeutikum

von Katrin Kühne

Hebräisch gehört zur semitischen Sprachenfamilie und ist von der indogermanischen Sprachengruppe sehr verschieden. Es ist sinnvoll, sich auf das Erlernen bzw. auf eine intensivere Bekanntschaft mit der hebräischen Sprache vorzubereiten. Dieser Intention entspricht mein kurzes "Hebräisches Propädeutikum".

Im ersten Teil des Textes wird die Entwicklung der hebräischen Sprache und Schrift nachgezeichnet sowie auf allgemeine Formen der Lautsprache und Morphologie hingewiesen. Der zweite Teil thematisiert das hebräische Alphabet, speziell die Aussprache und Schreibweise der einzelnen Konsonanten und Vokale sowie deren Eigenarten. Die im Text verwendeten hebräischen Schriftzeichen werden in den angefügten Tabellen ausführlich beschrieben und erklärt. Die im Text verwendete Schreibweise der hebräischen Beispielwörter hält sich an die modernhebräische und unvokalisierte Variante (keine Punktuation). Als Hilfsmittel für die Aussprache ist die Umschrift in eckigen Klammern angegeben. Um vor allem dem weniger Sprachkundigen einen Einstieg zu ermöglichen, wird dabei auf eine vereinfachte Transkription ausgewichen, die sich nicht am wissenschaftlichen Standard orientiert. Das Literaturverzeichnis im Anhang enthält Hinweise auf Bildungsangebote in Buchform sowie im Internet.

Das "Hebräische Propädeutikum" kann hier heruntergeladen werden.

 

Herkunftsgeschichte jüdischer Namen

von Alexander Meschmann

Die Antroponymik (gr. antropos- Mensch, onoma - Name) ist die Wissenschaft, die sich mit der Herkunft, der Veränderung, der geographischen Verbreitung und sozialen Funktion der Eigennamen der Menschen befasst. In der Sprachwissenschaft existiert eine spezielle Richtung der linguistischen Untersuchungen - Onomastik. Die Onomastik (gr. onoma - Name) ist der Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit den Eigennamen und ihrer Entstehungsgeschichte befasst. Die Hauptquelle der Namensentstehung nach der jüdischen Onomastik des Altertums ist die Bibel, in der etwa 2.800 Eigennamen vorkommen. Es gibt aber auch Einflüsse von Nachbarvölkern und die Tendenz zur Übernahme ihrer Eigennamen.

In den USA ist folgende Anekdote sehr beliebt: Ein Chinese und ein Jude sitzen in einer Bar - Plötzlich stößt der Jude den Chinesen vom Stuhl. "Bist du verrückt geworden? Wofür war denn das?", fragt der Chinese empört. "Das kriegst du für Pearl Harbor", antwortet der Jude. "Das waren doch die Japaner, und nicht die Chinesen, du Idiot!". "Was macht das schon für einen Unterschied", sagt der Jude. Der Chinese setzt sich wieder. Da fliegt der Jude auf den Fußboden. "Das ist dafür, dass die Juden die 'Titanic' versenkt haben", sagt der Chinese schadenfroh. "Titanic? Was haben denn die Juden damit zu tun? Die 'Titanic' ist wegen dem Eisberg untergegangen.", empört sich der Jude. "Eisberg, Weinberg, Glikberg, Grienberg. Was macht das schon für einen Unterschied."

Und wirklich, was macht das für einen Unterschied? Wenn man über die Entstehungsgeschichte der jüdischen Namen spricht, muss man betonen, dass sie ganz genau die Geschichte des jüdischen Volkes wiedergibt. Die alten heidnischen Völker kannten keine Namensregister. Das Kind wurde so genannt, wie gerade das Wetter war, oder nach der Jahreszeit, oder nach einem bestimmten Merkmal: Muttermal, Haarfarbe, dicker Bauch. Oder, es wurde gewünscht, das Kind wäre tapfer, klug, schön oder häuslich usw. Eine alte Tradition setzte voraus, dass jeder Name eine besondere Bedeutung hat und Segen bringt.

Der Name und der Vorname sind die unbedingten Attribute eines jeden Menschen und eines jeden Bürgers zivilisierter Staaten. Nur die Bewohner manch unterentwickelter Länder haben keine Nachnamen, aber Vornamen (Rufnamen, Spitznamen) haben alle, ohne Ausnahme. Die jüdischen Namen können viel berichten. z.B. wie sie entstanden sind oder auch wo der eine oder andere Stamm im Laufe der Zeit wohnte. Woher kommen die Namen und zu welcher sozialen Schicht gehören die Menschen, die diese Namen trugen?

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