Das Deutsch-Russische Zentrum will einen Beitrag zur Renaissance eines deutschen Judentums und für eine starke jüdische Gemeinschaft in Deutschland leisten und Antisemitismus in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen bekämpfen helfen.
Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass diese Arbeit am effektivsten und nachhaltig ist, wenn an ihr so viel als möglich Jüdinnen und Juden beteiligt sind.
Von den Jüdinnen und Juden, die in den letzten beiden Jahrzehnten aus den Nachfolgestaaten der UdSSR nach Deutschland kamen, unterdessen deutsche Staatsbürger sind oder das werden wollen, wissen viele immer noch viel zu wenig. Wir wurden und werden oft gefragt: Warum haben sie ihre alte Heimat verlassen, um ausgerechnet in Deutschland eine neue Heimat zu finden? Was waren und sind ihre Erwartungen, wie leben sie und wie wollen sie künftig leben, was verbindet uns mit ihnen und was nicht?
Viele Jüdinnen und Juden arbeiten beim Deutsch-Russischen Zentrum im Ehrenamt, in ABM und in AGH. Die Antworten, die sie uns diese KollegInnen auf solche Fragen gegeben haben, veranlasste uns, im Jahre 2003 bei unserem Institut für West-Ost-Studien eine Projektgruppe für mündlich erfragte Geschichte zu etablieren, die von einem Juden, einem Psychologen geleitet wird und deren MitarbeiterInnen unterdessen über einhundert Interviews geführt haben, von denen wir nun einen Teil veröffentlichen können. Es kann immer nur ein Teil sein, da natürlich nicht alle Interviewpartner einer Veröffentlichung zustimmen oder wir auch nicht alles veröffentlichen wollen. Das hat unterschiedliche Gründe.
Unterdessen wird die Arbeit der Projektgruppe immer deutlicher zu einem Projekt „Oral History“. Oral History ist eine geschichtswissenschaftliche Methode, Beteiligte und Betroffene historischer Ereignisse und Prozesse zu diesen Ereignissen und Prozessen in Interviews zu befragen und diese Interviews zu dokumentieren, um so retrospektive Informationen über Ereignisse, Einstellungen, Erfahrungen und persönliche Wertungen, also über individuelle Lebenserfahrung zu erfahren.
Manche von ihnen haben in Veranstaltungen des Deutsch-Russischen Zentrums, vor Schulklassen und anderen Gremien über ihr Leben gesprochen. Wenn unsere Präsentation „Zeitzeugen“ dazu beiträgt, dass unsere Zeitzeugen zu Gesprächen oder Veranstaltungen eingeladen werden, dann werden wir alles dafür tun, dass solchen Einladungen auch entsprochen werden kann.
Über Anfragen und Vorschläge zu diesem Teil der Arbeit des Deutsch-Russischen Zentrums freuen wir uns ebenso, wie über die Bereitschaft von Jüdinnen und Juden unseren Mitarbeitern der Projektgruppe „Oral History“ Interviews zu gewähren.
Die Zeitzeugen, die wir Ihnen mit ihren Lebenserfahrungen in unserem Internetportal „JUDEN in SACHSEN“ vorstellen, gaben für die Veröffentlichung ihrer Interviews vor allem deshalb ihre Zustimmung, weil sie damit ihren sehr persönlichen Beitrag für eine starke jüdische Gemeinschaft in Deutschland und im Kampf gegen Antisemitismus einbringen wollen. Das verdient unseren Respekt und unsere Dankbarkeit.
