Jüdisches Leben und Jüdische Geschichte
Erfolgreiche Neuwahl bei Jüdischer Gemeinde
Die Jüdische Gemeinde zu Berlin verfügt seit dem vergangen Sonntag über eine neue Repräsentantenversammlung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht in der kommenden Zeit vor allem die Lösung der großen finanziellen Probleme der 10.500 Mitglieder starken Gemeinde. Wahlsieger ist Gideon Joffe (39) mit seiner Gruppe „Koach“, sie bekamen 14 der 21 Mandate. Es wird erwartet, dass Joffe vom Vorstand zum Vorsitzenden der Gemeinde gewählt wird, er saß dieser schon von 2005 bis 2008 vor. (Berliner Morgenpost, 23.01.2012, S.11; 24.1.2012. S.11, Neues Deutschland, 21./22.01.2012, S.14, 24.01.2012, S.11)
Leipziger Rabbiner Balla
Der ungarnstämmige Rabbiner der Leipziger Jüdischen Gemeinde Zsolt Balla sprach anlässlich des baldigen Holocaust-Gedenktags am 27.Januar in der Freien Presse über die Erinnerungskultur in Deutschland. Es sei sehr wichtig nicht in der Vergangenheit, sondern im Jetzt zu leben, nur dann kann das Gedenken kein „inhaltsleeres und folgenloses Ritual" sein. Balla, selbst ein orthodoxer Jude, will ein Rabbiner für alle, auch für liberale Juden in Leipzig sein. Er wünscht sich, dass noch mehr jüdische Leipziger/innen in die Gemeinde eintreten und setzt sich für den Ausbau einer jüdischen Infrastruktur in Leipzig ein, Jugendliche will er mit moderner Rockmusik anwerben. (Freie Presse, 18.01.2012)
Leipziger Meuten
Im Leipziger Schulmuseum eröffnet am 30.Januar die Dauerausstellung zu den „Leipziger Meuten“, einer Jugend-Widerstandsorganisation, der in der Zeit von 1935 bis 1939/40 bis zu 1.500 junge Menschen angehörten. Anhand von Zeitzeugeninterviews, Alltagsgegenständen und historischen Dokumenten, z.B. Flugblättern, wird diese bisher unbeachtete Form des zum Teil aktiven Widerstandes der Öffentlichkeit präsentiert. Die „Leipziger Meuten“ wurden 1940 zerschlagen, viele Mitglieder verbüßten ihre Strafe in Gefängnissen. Außerdem wird als Ergänzung zur bereits bestehenden Dauerausstellung „Schule unterm Hakenkreuz“ eine Sonderschau mit dem Titel „Künftige Führer der Volksgemeinschaft? Die Adolf-Hitler-Schule Sachsen in Pirna-Sonnenstein 1941-1945“ gezeigt. In der Ausstellung geht es um die Schüler und Lehrer an der Pirnaer Schule, wo damals gezielt zukünftige Führungskader heran erzogen wurden. (Neues Deutschland, 21./22.01.2012, S.16, Leipziger Amtsblatt, 21.01.2012, S.2)
Leipzig erinnert
Die jährliche Leipziger Gedenkveranstaltung zum Internationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus findet am 27.Januar an der Gedenkstätte in Abtnaundorf mit einer Schweigeminute, Kranzniederlegung und musikalischer Umrahmung statt. Danach hält OB Burkhard Jung eine Rede im Neuen Rathaus, wo zeitgleich in der Wandelhalle die Wanderausstellung „Im Totaleinsatz“ eröffnet wird. Darin werden die Schicksale und Lebensbedingungen tschechischer Zwangsarbeiter während der Zeit des Nationalsozialismus dargestellt. Initiiert ist die Ausstellung vom Deutsch-Tschechischen-Zukunftsfond.
Die Oberbürgermeisterin von Leipzigs 14.Partnerstadt Herzliya Yael German reist anlässlich des Gedenktages für drei Tage nach Leipzig. Begleitet wird sie von ihrem Kollegen Yehonathan Yassur und dem ehemaligen Stadtrat Herzliyas Moshe Dangot. Yael German tauft eine Leipziger Straßenbahn auf den Namen Herzliya. (Leipziger Volkszeitung, 21./22.01.2012, S.12, Leipziger Amtsblatt, 21.01.2012, S.1, Neues Deutschland, 24.01.2012, S.14, LVZ-Online, 25.01.2012)
Berliner Jüdische Mädchenschule wird restauriert
Die in der Nähe des Centrum Judaicum gelegene ehemalige Jüdische Mädchenschule wird derzeit restauriert. Am 9.Februar eröffnen dann getreu dem Berliner Motto “Oben Kunst, unten Nahrung” zwei Galerien und ein Delikatessenrestaurant in dem geschichtsträchtigen Gebäude. Gebaut 1927/28 im Stil der Neuen Sachlichkeit (Bauhausstil), war es eines der letzten Bauwerke, die vor dem NS-Machtantritt umgesetzt werden konnten. Im Jahr 1941 wurden im Innenhof der Schule Deportationen organisiert, bevor sie 1942 ganz geschlossen und in ein Notkrankenhaus umgewandelt wurde. Nach dem Krieg bis ins Jahr 1996 fungierte das Gebäude dann wieder als allgemeine Schule für im Umkreis lebende Schüler/innen, wurde dann aufgegeben und verfiel. Zwischenzeitlich 2006 als Ausstellungsort für die 4.Biennale genutzt, fand sich endlich 2010 ein Mieter, der den denkmalgeschützten Bau für 30 Jahre von der Jüdischen Gemeinde gepachtet, restauriert und einer neuen Bestimmung zugeführt hat. In dem neu entstandenen Restaurant wird es freitags in einem abgetrennten Raum ”The Kosher Classroom” ein Sabbat-Dinner für jedermann und sonntags einen zertifizierten koscheren Brunch geben. Im oberen Geschoss stellen die zwei Galerien “Camera Work Contemporary” und “Eigen + Art” ihre Kunstwerke zur Besichtigung aus. Und dem 1944 in Theresienstadt ermordeten Architekten der Jüdischen Mädchenschule, Alexander Beer, wird eine Gedenktafel gewidmet - enthüllt zur Eröffnung am 9.Februar von seiner 81-jährigen Tochter. (Berliner Morgenpost, 22.01.2012, S.13)
Interview mit Georges-Arthur Goldschmidt
Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am Wochenende ein Gespräch mit dem Schriftsteller, Literaturkritiker und Träger des Geschwister-Scholl-Preises Georges-Arthur Goldschmidt. 1928 in einer jüdischen Familie in Hamburg geboren, überlebte er den Holocaust versteckt in einem französischen Internat in den Alpen. Nach dem Krieg war Goldschmidt zunächst als Deutschlehrer in Paris tätig, später begann er Essays und Kritiken, dann auch Romane, in denen er die demütigenden Erfahrungen seiner Zeit im Internat aufarbeitet, zu verfassen. Weiter bekannt wurde Goldschmidt durch Übersetzungen von Werken Goethes, Nietzsches, Kafkas und anderen ins Französische.
Im Interview spricht er über die grundlegenden Unterschiede in der deutschen und der französischen Sprache - nur die deutsche konnte so mühelos ein Wort wie „Vergasung” erfinden -, über völlig unterschiedliche Auffassungen von Freud und Heidegger in Deutschland und Frankreich aufgrund der so unterschiedlichen Übersetzungen, über erotische Ausdrucksmöglichkeiten im Deutschen und Französischen und über die Prüderie des deutschen Protestantismus. (Süddeutsche Zeitung, 21./22.01.2012, S.V2/8)
Komponist Andre Asriel wird 90
Der 1922 in Wien geborene jüdische Musiker und Komponist Andre Asriel erzählt im Neuen Deutschland über sein bewegtes Leben. Nachdem Hitler 1938 Österreich “heim ins Reich” geholt hatte, veränderte sich schlagartig auch die Lebenssituation für die Familie Asriel. Andre Asriel musste sein Klavierstudium an der Wiener Staatlichen Kunstakademie aufgeben, eine Klavierstimmerlehre beginnen und Englisch lernen - eingefädelt von seiner Mutter, um auf Abruf fluchtbereit zu sein. Kurze Zeit darauf entkam der 16-Jährige tatsächlich mit einem der Kindertransporte nach England dem drohenden Holocaust, seine Mutter überlebte nicht. In England erfährt er bittere Armut und freundet sich mit kommunistischen Ideen an. Asriel wird Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ, die spätere DDR-Jugendorganisation), welche seit 1939 in Großbritannien besteht und sich hauptsächlich um die jungen jüdischen und politischen Emigranten aus Deutschland und Österreich kümmert und er findet in der Emigration so etwas wie eine neue Familie. Ab 1941 kann er an der Königlichen Musikakademie sein Klavierstudium fortsetzen. Voller Idealismus und Enthusiasmus übersiedelt Asriel nach dem Krieg in den Osten Deutschlands, um den Sozialismus mit seiner Musik mitzugestalten, einen Schritt den er nie bereut hat. Er lehrte an der Ostberliner Musikhochschule “Hans Eisler” bis 1980 Tonsatz, später als Professor Komposition. Andre Asriel ist verheiratet und lebt seit 54 Jahren in der gleichen Wohnung in der Karl-Marx-Allee in Berlin-Mitte. (Neues Deutschland, 23.01.2012, S.3)
Irene Brann
In der Sächsischen Zeitung wird die Künstlerin Irene Brann, Jahrgang 1912, vorgestellt. Die Halbjüdin aus Dresden floh im Jahr 1938 vor den Nazis nach Südamerika. Ihre Familie erkannte die Gefahr des Nationalsozialismus nicht früh genug. 1938 wurde der Juwelierladen ihrer Familie in Dresden enteignet und Irene Branns Vater wurde ins KZ Buchenwald verschleppt, ihre Tante und Großmutter starben im Warschauer Ghetto. Irene Brann kehrte erst 1985 kurz nach Dresden zurück. Heute lebt sie in der Schweiz. In Dresden werden ab dem 26.Januar im Kunstfoyer des Kulturrathauses einige Bilder der Künstlerin gezeigt. (Sächsische Zeitung, 24.01.2012, S.22)
Zur braunen Vergangenheit des Otto Michel
Der 1993 verstorbene evangelische Theologe und Universitätsprofessor Otto Michel galt zeitlebens als „Freund der Juden“ und seine Person stand für eine neue Deutsche Judaistik. Er gründete 1957 das Institutum Judaicum an der Universität Tübingen, eines der ersten Nachkriegsinstitute für Judaistik. Neue Erkenntnisse ergaben, dass Michel während der NS-Zeit gleich zweimal der NSDAP beitrat und Mitglied der SA war. Alle Informationen über seine braune Vergangenheit hatte er verschwiegen, auch in der 1989 erschienenen Autobiographie „Anpassung oder Widerstand“ stellte er sich nicht der eigenen Biografie, im Gegenteil, er stellte sich als christlicher Widerständler dar. Der Anlass für die Beschäftigung mit der NS-Vergangenheit Michels ist eine ursprünglich aus Polen stammende Thorascheibe, die auf bisher ungeklärte Weise in Michels Besitz kam. Es handelt sich dabei höchstwahrscheinlich um NS-Raubgut. Der rechtmäßige Erbe der Scheibe, Avner Falk, ein israelischer Psychologe, schreibt nun ein Buch über Otto Michel. Dessen Töchter wollen aber Michels Privatsphäre schützen und erlauben bisher nicht, dass die Archive geöffnet werden. (DIE ZEIT, 19.01.2012, S.54)
Moses Hess
Anlässlich seines 200.Geburtstages am 21.Januar wird der fast völlig in Vergessenheit geratene Visionär Moses Hess geehrt. Der Sozialist mit jüdischen Wurzeln war überzeugter Europäer, für seine Zeit ein Avantgardist. Er setzte sich für die Verwirklichung eines Judenstaates ein und beklagte die Judenfeindschaft unter den Sozialisten. Die „Verbürgerlichung der Juden“ und der steigende finanzielle Wohlstand Einiger bewirkte bei den Linken eine klassenfeindliche, antisemitische Einstellung. In seinem Buch „Rom und Jerusalem“ macht er dieses Streitthema und den innerhalb der jüdischen Gemeinschaft stark umstrittenen Wunsch nach der Emanzipation des Judentums in einem eigenen Staat öffentlich. Hess starb 1875 in Paris, inzwischen liegen seine Gebeine in Israel. (DIE ZEIT, 19.01.2012, S. 15)
Zum 70. Jahrestag der Wannsee-Konferenz
Am 20.Januar jährt sich zum 70.Mal die Wannseekonferenz, bei der die systematische Deportation und Vernichtung der europäischen Juden, die so genannte Endlösung der Judenfrage, offiziell beschlossen wurde. Das Ziel Deutschland und Europa „judenrein“ zu machen gab es schon vorher, bis 1942 waren schon etwa 1 Million Juden von den Nazis ermordet. Eins von 30 Protokollen der Konferenz blieb durch Zufall erhalten und liegt heute der Öffentlichkeit vor.
Seit 1992 ist die „Villa am Am Großen Wannsee 56-58“ eine Gedenkstätte. Dessen Leiter Gerhard Schoenberger sagte im Neuen Deutschland, wie lange und wie langwierig dieser Prozess war. Schon in den 1960ern gab es Vorschläge in der Villa ein Dokumentationszentrum entstehen zu lassen, das aber wegen fehlenden politischen Interesses nicht zu Stande kam. In der Gedenkstätte wird bis zum 29.Januar das Theaterstück „Die Wannsee-Konferenz“ zum Ablauf und den historischen Hintergründen der Konferenz aufgeführt.
Anlässlich des 70.Jahrestags sprach Bundespräsident Christian Wulff von Scham, erinnerte an die Wichtigkeit der Erinnerung an das Unvorstellbare und nahm dann Bezug auf die groben Fehler bei den Ermittlungen der jüngst bekannt gewordenen neonazistischen Mordserie. Dieter Graumann nahm den Gedenktag zum Anlass, sich erneut für ein NPD-Verbot auszusprechen. (Neues Deutschland, 20.01.2012, S.1-2, 21./22.01.2012, S.1, Leipziger Volkszeitung Online, 20.01.2012, Berliner Morgenpost, 20.01.2012, S.3, Mitteldeutsche Zeitung, 21.01.2012)
„Bilderkammer des Bruno Schulz – das letzte Werk eines Genies“ in Zittau
Im Zittauer Gerhard-Hauptmann Theater werden seit dem 20.Januar lange verloren geglaubte Wandfresken von Bruno Schulz als virtuelle Projektionen ausgestellt. Schulz war polnischer Jude und wurde 1942 von den Nazis ermordet, dieses Jahr jährt sich sein Geburtstag zum 120. und sein Todestag zum 70.Mal. Seine Werke fand man 2001 in der Ukraine in der ehemaligen Villa des SS-Führers Felix Landau, inzwischen befinden sich Teile der Bilderkammer in Israel und der Ukraine. Der Filmemacher Benjamin Geissler initiierte die Ausstellung, für ihn ist die Gesamtkonzeption, die er nun virtuell wiederherstellte, zerstört worden, als einzelne Bilder zum Schutz nach Israel gebracht wurden, wo sie mindestens 20 Jahre als Dauerleihgabe in Yad Vashem verbleiben. (Neues Deutschland, 21./22.1.2012, S.15)
Gedenkmarsch zum „Judentransport“ in Leipzig
Anlässlich des 70.Jahrestages der ersten und größten Deportation von 559 Juden nach Riga von Leipzig, haben mehrere Hundert Leipziger/innen mit einem Trauermarsch von 7km vom Hauptbahnhof zum Güterbahnhof in Engelsdorf der Opfer gedacht. Am Engelsdorfer Güterbahnhof gab es eine Abschlussveranstaltung, bei der auch Kinder von Tätern und von Überlebenden zu Wort kamen und ihrer gemeinsamen Trauer über das Verbrechen Ausdruck verleihen konnten. Der 86-jährige Holocaust-Überlebende Rolf Kralovitz aus Leipzig, Ehrenpräsident der Ephraim-Carlebach-Stiftung, war ebenfalls anwesend und erzählte von dem Tag der Deportation. (Leipziger Volkszeitung, 21./22.1.2012, S.12, 23.01.2012, S.18)
Rolf Hochhuths “Der Stellvertreter” am Münchener Volkstheater
In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht Christian Stückl vom Münchener Volkstheater über die Gründe, die ihn seit dem letzten Jahr bewogen, Rolf Hochhuths Stück “Der Stellvertreter” neu zu inszenieren. “Der Stellvertreter”, erstmals 1963 aufgeführt, sorgte für einen Skandal in der adenauerischen Bundesrepublik. Im Mittelpunkt des Stückes steht Papst Pius XII, mit Hitler im Konkordat verbunden, der der ihm bekannten Judenverfolgung tatenlos zusah, selbst wenn Zusammentreibungen unter seinem Fenster in Rom geschahen. Mit dem Stück warf Hochhuth seinerzeit die Frage nach der (Unterlassungs-) Schuld der katholischen Kirche auf und setzte eine breite Diskussion über alle Aspekte des Nationalsozialismus bis hin zu den Tätern, die nach 1945 in der Bundesrepublik Karriere machten, in Gang. Stückerl gilt als Experte fürs Katholische und beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem Antijudaismus in der Kirche. (Süddeutsche Zeitung, 25.01.2012, S.33)
Neues NS-Mahnmal in Berlin
Das Berliner NS-Mahnmal, das an die Verfolgung Homosexueller durch die Nazis erinnert, wird demnächst erneuert. Dabei soll das Video, das bisher zwei sich küssende Männer zeigte, ausgetauscht und um andere Episoden gleichgeschlechtlicher Liebe auch unter Frauen ergänzt werden. (Sächsische Zeitung, 23.01.2012, S.20).
Gedenktafel für verfolgte Homosexuelle
In der brandenburgischen Mahn- und Gedenkstätte des ehemaligen KZ Ravensbrück werden im Frühjahr zwei neue Gedenktafeln errichtet. Sie sollen an die Lagerinsass/innen erinnern, die während der NS-Herrschaft dort wegen ihrer Homosexualität interniert und ermordet wurden. (Neues Deutschland, 25.01.2012, S.11)
Otto Rasch im Portrait
Die Mitteldeutsche Zeitung erinnert an den ehemaligen Wittenberger Oberbürgermeister und Kriegsverbrecher, Otto Rasch. Im Jahr 1935 wurde er zum OB berufen, nach knapp einem Jahr wieder abgesetzt. Er war im Frühsommer 1941 dafür mitverantwortlich, dass bei der „Operation Babarossa“, insbesondere beim Massaker von Babyn Jar, Sowjetfunktionäre und die "jüdische Intelligenz" der Sowjetunion ausgelöscht wurden. Unter seinem Kommando starben 80.000 Menschen. Rasch war SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei. Nach Kriegsende konnte er kurzzeitig untertauchen, wurde aber verhaftet und vor Gericht gestellt. Er starb 1948 in Haft an Parkinson. (Mitteldeutsche Zeitung, 21.01.2012)
Philharmonie gedenkt Euthanasie-Opfer
Der Bundesbehindertenbeauftragte Hubert Hüppe gedenkt anlässlich des Holocaust-Gedenktages an die 300.000 Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie. Im Foyer der Berliner Philharmonie, wo früher das Stadtpalais stand, in dem die Zwangssterilisationen und Tötungen beschlossen wurden, soll dieses Jahr der bestehende Gedenkort zum Informations- und Gedenkort umgestaltet werden. Bisher erinnert nur eine Gedenktafel an die Opfer. Der Bundestag hat dafür 500.000 Euro bewilligt. (Neues Deutschland, 24.01.2012, S.12)
Integration und Migration
120 Jugendliche diskutieren über Toleranz und Zivilcourage
In Berlin sind zurzeit 120 junge Menschen aus 18 Ländern zu Gast, um während der Konferenz „Engaging youth in learning about the Holocaust and Human Rights in the 21st Century“ drei Tage lang zentrale Fragestellungen um das Engagement für Menschenrechte zu diskutieren. Besonders Jugendliche sollen dafür stärker sensibilisiert werden. Vertreten sind Mitglieder verschiedener ehrenamtlicher Initiativen von Schüler/innen, wie die „Aktion Zivilcourage“ aus Pirna oder das Nordhäuser „Spektrum grenzenlos zusammenwachsen“. Ziel dieser Initiativen ist es unter anderem, Schüler/innen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Schularten über Rechtsextremismus aufzuklären, die Erinnerung an den Holocaust zu bewahren und allgemeines Eintreten für die Einhaltung der Menschenrechte zu fördern. Eng verknüpft mit dem Programm ist die Geschichte von Anne Frank in Form einer Ausstellung, die ihre Biographie mit aktuellen Themen wie Toleranz, Selbstreflexion und Empathie verbindet. (Berliner Morgenpost, 23.01.2012, S.13)
Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Antisemitismus
Kein Geld für Initiativen gegen Rechts
“Viel Lärm um nichts” bilanziert Claudia Roth (Grüne) das “Spitzentreffen gegen Rechtsextremismus” am Dienstag in Berlin. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hatten rund 30 Vertreter/innen von Kirchen, Gewerkschaften, Verbänden und Initiativen gegen Rechtsextremismus eingeladen, um Kräfte gegen Rechts in einem neuen “Informations- und Kompetenzzentrum” zu bündeln. Die Veranstaltung stieß aber auf starke Kritik bei den Eingeladenen, sie, die Verbände und Initiativen, seien “überhaupt nicht gefragt” worden, welche Ideen sie im Kampf gegen rechtsextreme Strukturen hätten, so eine Sprecherin der Amadeu-Antonio-Stiftung. Claudia Roth sprach gar von einer “Selbstdarstellungsshow“ für Minister, die in Sachen Bekämpfung von Rechtsterrorismus bislang versagt hätten, erste angemessene Reaktion auf die jüngst bekannt gewordene Mordserie sei eine Verdoppelung und Verstetigung der Bundesmittel für demokratiefördernde und Anti-Rechts-Projekte, so Roth weiter. (Süddeutsche Zeitung, 25.01.2012, S.5; Neues Deutschland, 25.01.2012, S.1)
Apfel's in Riesa
Wie die katholische Kirche mit rechtsextremen Mitgliedern umgeht, wird in der „ZEIT für Sachsen“ anhand des Beispiels der Familie Apfel in Riesa thematisiert. Holger Apfel, NPD-Chef und seine Frau Jasmin, Mitglied des Ringes der Nationalen Frauen, sind katholisch und leben in Riesa. Der Pfarrer der katholischen Gemeinde Ludger Kauder empfindet es als seine christliche Pflicht, auch die Sünder nicht abzuweisen. Auch Menschenfeinde haben ein Recht darauf, Nächstenliebe zu erfahren. Außerdem könne er so am besten beobachten, wie die Apfels sich verhalten. Es sei jedoch problematisch, wenn er von der Familie instrumentalisiert wird. Kauder betreut die Kommunion der Kinder, Frau Apfel ist in der Pfarrei ehrenamtlich aktiv - gesellschaftliches Engagement, so wie es seit einiger Zeit in der rechten Szene üblich ist. Innerhalb der kleinen Gemeinde regt sich Widerstand gegen die Nazis, doch nur selten wird das Problem direkt angesprochen. Pfarrer Kauder hofft derweil, dass die Apfel-Kinder im Religionsunterricht eine umfassende Bildung über die Ursprünge des Christentums erhalten, dass sie lernen, dass vor Gott alle Menschen gleich sind und dass das Christentum mit Menschenfeindschaft, wie es die NPD propagiert, nicht vereinbar ist. (DIE ZEIT, 19.01.2012, S.9).
Löffler zum NPD Chef Sachsen gewählt
Der neue Vorsitzende der NPD Sachsen ist Mario Löffler. Er war bereits Vize-Landesvorsitzender und der einzige Kandidat, der zur Wahl als Holger Apfels Nachfolger stand. Löffler ist nach eigenen Angaben von 1994 bis 1999 Mitglied der CDU gewesen, seit 2004 ist er Mitglied der NPD. Bei dem Parteitag im sächsischen Ostritz haben etwa 200 Menschen gegen die rechtsextreme Partei demonstriert. (Sächsische Zeitung, 23.01.2012, S.6)
Nazi-Terrortrio waren Gedenkstättentouristen
Das Nazi-Terrortrio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatte laut der Sächsischen Zeitung seit November 1996 Hausverbot in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, als sie diese mit sechs weiteren Personen mit äußerlich erkennbarer rechtsextremer Gesinnung besuchten. Mitte der 1990er sei es häufig vorgekommen, dass Neonazis in NS-Gedenkstätten mit ihrer Anwesenheit provozierten, sich auf dem Lagergelände fotografierten und rechtsextremes Gedankengut in Besuchsbücher schrieben - so genannter „rechtsradikaler Gedenkstättentourismus“. (Sächsische Zeitung, 19.01.2012, S.2, Thüringer Allgemeine, 25.1.2012)
